Stefan Füsers

fotoschnittIch bin 32, wohne auf St. Pauli – Süd, habe 2 Kinder und fahre mit einem bunt bepunkteten Auto durch die Gegend. Ich bin Sozialwissenschaftler und Humanist. Ich glaube an das Gute im Menschen und bin überzeugt, dass man in einer Gesellschaft mit bedingungslosem Grundeinkommen das Gute im Menschen auch nicht mehr anzweifeln würde.

Unsere Gemeinschaft kümmert sich zwar bereits jetzt darum, dass jedem ein Grundeinkommen zur Verfügung steht, nur eben weder bedingungslos weil jeder Mensch leben muss, noch in gleicher Höhe weil jedes Leben gleich wertvoll ist.

In einem normalen Leben erhält man nahezu lückenlos ein Grundeinkommen: Kindergeld, Bafög oder Ausbildungsförderung, den Steuerfreibetrag oder HartzIV und zu guter Letzt die Rente oder Pension. Einige können gut davon leben, andere nicht würdig und manch einer kriegt zeitweise gar nix. Der Staat und seine Verwaltung maßt sich an, zu entscheiden, wer aus bestimmten Gründen wann von seinem Grundeinkommen leben darf, unter welchen Bedingungen er es bekommt, und wie üppig es ausfällt und ob es anderen Verdienst ersetzt oder zusätzlich gezahlt wird. Oft erscheinen die Regelungen wahllos und unverständlich. Ein wirklich gerechtes Konzept wird von staatlicher Seite gar nicht mehr erwartet.

Die Ungerechtigkeit beginnt bereits bei besonders hilfsbedürftigen Ausnahmen, wie bspw. Obdachlosen, Analphabeten oder Suchtkranken, die schlicht nicht in der Lage sind die bürokratischen Anforderungen zu erfüllen. Weiter wird es ungerecht bei Vollzeittätigen, die das Recht auf Aufstocken hätten, es aber entweder neben ihrem Job nicht schaffen die enstsprechenden Anträge zu bearbeiten oder schlicht weil ein Schamgefühl von der öffentlichen Verwaltung und teilweise den Medien suggeriert wird. Zuletzt ist es ungerecht, dass unsere Steuergesetzgebung so kompliziert ist, dass die Bezahlung eines Fachmanns immense Vorteile bringt, in einer absoluten Kosten – Nutzen Rechnung aber nur für die Vermögensten lohnenswert ist. Nur logisch, dass sich das Gefühl eines ungerechten Systems überall breitmacht und einstellt.

Warum entmündigen wir also den Menschen, wenn es darum geht sein individuelles Lebenskonzept zu entwerfen und danach zu leben. Warum kann nicht jeder frei von finanziellen Zwängen entscheiden, ob er länger lernt und im Alter dafür länger arbeitet? Warum kann nicht jede frei entscheiden, ob sie jahrelang Zeit in ihr Start-Up Unternehmen steckt um evtl. die phänomenale Idee reifen zu lassen? Warum kann nicht frei von der Finanzsituation entschieden werden wann Kinder betreut werden sollen und wann man sich selber kümmert? Dem demokratischen Wesen Mensch muss man auch die Mündigkeit für wirtschaftliche Angelegenheiten für die gesamte Lebenzeit anvertrauen. Ein regelmäßiges kleines Einkommen von der Gemeinschaft stellt die Grundlage, während Zufriedenheit durch Freiheit herausgefordert wird.

Jeder könnte auf einmal seine Freiheit wirklich leben. Die ganzen Ideen und Wünsche vom Leben könnten auch wirklich realisiert werden. Die Berufs bilder aus der Grundschule, Pilot oder Feuerwehrfrau, oder später Künstler und Sportler müssten nicht mehr irgendwann im Dunst der Realität zwischen Wirtschaft und HartIV, Bürokratie und Advokatie eingestampft werden.

Der Mensch ist Mensch, seine Ideen sollen leben. Das Grundeinkommen in den Köpfen ist entscheidend. Wenn wir Menschen es verstehen ist die Umsetzung einfach. Der Sozialetat (ca. 783 Mrd) und die Steuerfreibeträge (ca. 250 Mrd) gemeinsam ergeben bereits ein Grundeinkommen von ca. 1000 Euro für jeden, von der Wiege bis zu Bahre. Es gibt aber auch weitere steuerliche Potenziale, gerade am Geld- und Konsummarkt, die alternativ zur Finanzierung genutzt werden können. Die Finanzierung könnte auch ökologisch oder zusätzlich sozial ausgerichtet werden. Die politischen Spielräume blieben in der Tat immens, selbst bei einem üppigen Grundeinkommen wären Sparmassnahmen gegenüber dem Status Quo denkbar. Die Finanzbarkeit zu bezweifeln ist geradezu lächerlich.

Die weitere  Frage, ob Menschen weiterhin arbeiten würden, kann natürlich nicht beantwortet werden. Aber ich sehe momentan ein Leuchten in den Augen meines Sohnes wenn er Feuer löschen spielt und kenne auch keinen Fußballprofi, der sich nach ein zwei Spielzeiten als Star, den sportlichen Stress nicht mehr antut. Aber auch in der üblichen Arbeitswelt gibt es kaum Menschen, die nach einigen erfolgreichen Jahren bereits den Ruhestand andenken, im Gegenteil, die Erfolgreichen können sich ihren Ruhestand eher schwierig vorstellen. Auch arbeiten zahlreiche Menschen ehrenamtlich oder zu mickrigen Löhnen gerne, weil sie eben den direkten Sinn und Zweck in Ihrer Arbeit sehen, bspw. in Kitas oder Vereinen. Der Sinn im Leben, nachdem das Individuum mit Grundeinkommen freier streben kann, würde endlich das Primat über die Wirtschaft zurück erlangen.

Erst wenn der Sinn und nicht mehr das Wirtschaftswachstum und die Arbeitslosenzahlen im Mittelpunkt stehen, kann auch gemeinschaftlich beurteilt werden, ob nicht die ein oder andere heute gut bezahlte Arbeit gar nicht sinnvoll ist, oder ob ein sinkendes Wirtschaftswachstum vielleicht auf weniger Umweltverschmutzung, weniger Kranken oder Unfällen basiert, also auf sinnvolle Dinge zurückzuführen ist.

Es gibt aber noch zahlreiche weitere Gründe für ein Grundeinkommen, so kann ein Strukturausgleich zwischen wirtschaftlich starken und schwachen Regionen ermöglicht werden. So wäre bspw. der gleiche Betrag in Sachsen mehr wert als in Hamburg oder München, was die Attraktivität von z.B. günstigen Wohnungen oder viel Lebensraum für alle zugänglich macht. In Hamburg oder München würde dies widerum die Situation am Wohnungsmarkt entspannen. Weiter könnte man alle Vollzeittätigkeiten vom Fußballtrainer bis zum Vollzeitdemokraten auch für alle ermöglichen. Die Grenzen zwischen Amateur und Profi wären aufgehoben, weil die Grenze die den Lebensunterhalt ausmacht, aufgehoben wäre. Ob Arbeit und deren Verdienst die übergeordnete Frage für das Leben ist, kann endlich wieder vom Einzelnen selber beantwortet werden. Kunst, Kultur und Gesellschaft bekämen dann den kreativen Input, der dringend geboten ist.

Machen wir die Welt ein wenig bunter. Erststimme Grundeinkommen für mich und alle anderen auch.

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